Schlossfestspiele Ettlingen: „Mercie Chérie – eine Hommage an Udo Jürgens“, 24.7.2017

Close-up Hände: Mann spielt auf weißen Klavier wie Udo Jürgens (by SvetaYak/Fotolia.de)

Den ersten Ohrwurm gibt’s schon vor Veranstaltungsbeginn. „Mercie Chérie – eine Hommage an Udo Jürgens“ ist das ausverkaufte Konzert am 24.7.2017 bei den Schlossfestspielen Ettlingen überschrieben. Der Titel ruft einen der unzähligen Hits des großen deutschen Chansonniers und Entertainers ins Gedächtnis; viele weitere folgen im Laufe des Abends: „Ich war noch niemals in New York“, „Ein Ehrenwertes Haus“, „Aber bitte mit Sahne“, „Griechischer Wein“, „Vielen Dank für die Blumen“ …

„Mit Leib, Hut und Seele“ hat sich der sowohl im Bereich Rock/Pop als auch Musical ausgebildete Sachse Martin Schmitt (Gesang, Klavier) dem Ausnahmemusiker verschrieben, dem er in unterschiedlicher Besetzung huldigt.

„Schmitt singt Jürgens – die Udo Show“ in Ettlingen

Anders als im Rosengarten Mannheim, wo er nächstes Jahr mit Sinfonieorchester und dem klangvollen Namen „Schmitt singt Jürgens – die Udo Show“ zu erleben sein wird, steht in Ettlingen das aufs Minimum reduzierte Line-up auf der Bühne. Die Band besteht aus dem phasenweise viel zu leise abgemischten Multiinstrumentalisten Matthias Wiesner (Gitarre, Mandoline, Akkordeon, Ukulele, Fußdrums) und der aparten, stimmlich aber oft zu zurückhaltenden Sängerin Mandy Römer.

Lieder mit fast schon radikaler Emotionalität

Es gibt durchaus Songs, in denen die personelle „Verschlankung“ nicht nur Sinn ergibt, sondern sogar die Wirkung der jeweiligen Komposition unterstützt. Eine der größten Stärken von Udo Jürgens war schließlich die fast schon radikale Emotionalität, die gerade dann herauskommt, wenn man die Darbietung nicht mit zu viel Tamtam und Show überschüttet. „Was ich dir sagen will“ ist so ein Titel, bei dem weniger mehr ist, oder auch „Zehn Nach Elf“.


Die Songs berühren und bewegen auch in der Darbietung von Martin Schmitt, der mit seiner vokalen Klangfarbe und Artikulation überraschend nah ans Original herankommt, sich selbst aber hier stark zurücknimmt. So bekommen Texte und Musik viel Raum, um ihre Wirkung voll zu entfalten.

Phasenweise zu viel Tamtam im Mitklatsch-Singalong-Modus

In anderen Passagen gelingt ihm und seinen Begleitern das „Zurücktreten“ im Dienste der Kunst nicht so gut. Die Hommage ans überlebensgroße Original wird dann derart überzeichnet, dass es vor lauter bemühter Animation geradezu albern wird. „Gaby wartet im Park“ über das Ringen mit menschlichen Schwächen und heimlichen Sehnsüchten versandet ebenso im Mitklatsch-Singalong-Modus wie der Klassiker „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ oder die eigentlich entspannte Reggae-Nummer „Die Sonne und du“, die viel von ihrer Lässigkeit einbüßt.


Dass es trotz Abstrichen stehende Ovationen bei den Schlossfestspielen Ettlingen gibt, ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass das Konzert beim Publikum viele schöne Erinnerungen geweckt hat.


Text: Elisa Reznicek, lebelieberlauter 2017
Foto: © SvetaYak / Fotolia.de
Videos: (1) by udojuergensVEVO, aberufen am 25.7.17 (2) by metawirt, abgerufen am 25.7.17

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