Curtis Stigers im Interview: „Ich glaube, wir werden alle sehr glücklich sein.“

Wenn man gefragt wird, ob man denn gern ein spontanes Interview mit Curtis Stigers machen möchte, sagt man natürlich ja – auch wenn die Frage erst sehr kurzfristig am Abend zuvor gestellt wird (ich saß sogar gerade in einem anderen Konzert). Den Sänger und Saxofonisten habe ich schon mit seiner Jazzband im Tollhaus Karlsruhe live gesehen. Toller Typ, großartiger Musiker! Und natürlich kenne ich seinen großen Hit „I Wonder Why“ noch aus den 1990er Jahren (seufz). Aktuell tourt er mit einem Big-Band-Programm und stellt sein Live-Album „On More For The Road“ vor – eine Hommage an Frank Sinatra at the Sands.


Da wir uns im  Interview bestens unterhalten haben, ist ziemlich viel Material zusammengekommen. Die Badischen Neuesten Nachrichten haben am heutigen Freitag, 5.5.2017, einen Großteil davon gedruckt. Hier findet ihr das komplette Interview. Curtis Stigers ist so relaxed und lustig, das hat wirklich Spaß gemacht!

Elisa Reznicek: Sie haben einmal gesagt: „Ich möchte mein Publikum glücklich machen, wenn ich auf der Bühne stehe.“ Wie wollen Sie das in Karlsruhe anstellen?

Curtis Stigers: Was, das soll ich gesagt haben? Manchmal will ich das Publikum auch einfach nur zum Weinen zu bringen! [bricht in schallendes Gelächter aus] Ich meine natürlich Freudentränen! Die Rahmenbedingungen in Karlsruhe klingen wunderbar. Viele Leute genießen ein kostenloses Konzert am Schloss mit der großen SWR Big Band und mir – ich glaube, wir werden alle sehr glücklich sein. Das heißt, solange das Wetter mitspielt.

Elisa Reznicek: Sie spielen ein Sinatra-Programm. Können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie das erste Mal mit seiner Musik in Berührung gekommen sind?

Curtis Stigers: Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen. Schon als kleines Kind haben meine Großeltern immer seine Songs gespielt. Ich erinnere mich zum Beispiel an „My Way“ und „It Was A Very Good Year“. Es war zwar nicht cool für junge Leute Frank Sinatra zu hören, aber ich war schon immer fasziniert von den Stories in seinen Titeln. Ich weiß noch, wie ich mit 18 Jahren die erste, eigene Platte von ihm im Second-Hand-Laden gekauft habe. Ich habe Sinatra zu dieser Zeit neu entdeckt – als Jazz- und Pop-Sänger, aber auch als Geschichten-Erzähler. Damals habe ich Jazz am College studiert. Ich lernte so viele Sinatra-Aufnahmen kennen und habe mich näher mit ihnen befasst. Das hat mir eine ganz neue Welt eröffnet.

Elisa Reznicek: Und Sinatra war auch ein großartiger Entertainer …

Curtis Stigers: Ja, er konnte einfach so viele unterschiedliche Sachen: Er war ein toller Performer, der das Publikum richtig mitreißen konnte. Er war ein fabelhafter Musiker. Die Art und Weise, wie er mit seiner Stimme phrasierte, ist sehr nah dran an einem Blechblas-Instrument, wie es ein Jazz-Saxofonist oder -Trompeter spiele würde. Und er hatte eine Wahnsinns-Stimme. Im Mittelpunkt stand immer der Song selbst, jedes einzelne Wort darin hatte eine Bedeutung. Das inspiriert und beeinflusst mich noch heute.


Elisa Reznicek: War es schwierig für Sie, seine Songs zu Ihren zu machen? Ich meine, Sie wollen ja keine reine Kopie abliefern.

Curtis Stigers: Ja, das ist schon knifflig. Mein neues Album „One More For The Road“ ist ein Konzertmitschnitt mit der Danish Radio Big Band. Ich hatte mir nicht explizit vorgenommen, ein Tribut-Album für Frank Sinatra aufzunehmen. Im Grunde genommen handelte es sich erst einmal nur um einen Live-Auftritt, der vor drei Jahren einfach so aufgenommen wurde. Als ich mir später das Ganze anhörte, dachte ich ‚Oh, das gefällt mir!‘ – also habe ich die Aufnahme an einige Leute geschickt. Alle waren begeistert. Meine Plattenfirma entschied dann, das als Album zu veröffentlichen.

Mittlerweile singe ich seine Songs oft. Ich klinge natürlich nicht wie Sinatra, da sich unsere Stimmen unterscheiden. Aber wenn ich es darauf anlegen würde, könnte ich schon eine leidliche Sinatra-Kopie abgeben. Das mache und will ich aber nicht. „I do it my way“, wenn man so will. Ich interpretiere ein Lied ohnehin nie zweimal auf dieselbe Weise. Aber natürlich bin ich beeinflusst von dem, was ich von Sinatra kenne. Das geht gar nicht anders, denn er hat es perfekt gemacht.

Elisa Reznicek: Wenn es um Ihre Person geht, wird immer zuerst der Titel Ihres Hits „I Wonder Why“ genannt. Stört Sie das eigentlich?

Curtis Stigers: Ich habe Songs wie „I Wonder Why“ und „You’re All That Matters To Me“ selbst geschrieben. Schon deshalb werden sie immer Teil meines Lebens sein. Ich bin dankbar, dass es immer noch Menschen gibt, die genau wegen dieser Titel zu meinen Konzerten kommen! Als ich das Album Anfang der 1990er Jahre veröffentlichte, hatte Popmusik natürlich einen besonderen Sound. Der Klang war bombastisch, eine Ode an den souligen Phillysound. Heute spiele ich eine aktualisierte Fassung. Mit meiner eigenen Band ist es ein Arrangement für Jazz-Quartett oder -Quintett, in Karlsruhe wird es eine Big-Band-Version sein.


Elisa Reznicek: Wie ist die Zusammenarbeit mit der SWR Big Band? Einige gemeinsame Konzerte gab es ja schon.

Curtis Stigers: Das sind virtuose Musiker, die ihre Art von Musik sehr gut verstehen und spielen. Sie haben mich zum Glück wie ein echtes Bandmitglied willkommen geheißen. Es kann nämlich schon etwas beängstigend sein, als Sänger zu derart vielen Leuten zu stoßen. Das ist, als würde man den ersten Tag zur Schule gehen: „Wer wird wohl neben mir sitzen? Mit wem werde ich mich anfreunden?“ und solche Dinge. [lacht] Am Ende unserer fast zweiwöchigen Tour habe ich mich gefühlt, als wäre ich wirklich einer von ihnen.

Elisa Reznicek: In Karlsruhe spielen Sie bei den sogenannten „Heimattagen“ – das Event stellt sowohl den Ort als auch die Gefühle in den Mittelpunkt stellt, die für jemanden Heimat bedeuten. Was verbinden Sie mit dem Begriff „Heimat“?

Curtis Stigers: Ich bin Vater einer 17-jährigen Tochter und teile mir mit meiner Ex-Frau das Sorgerecht. Meine Tochter ist regelmäßig bei mir. Wenn das nicht der Fall ist, fehlt mir etwas Essentielles, um wirklich anzukommen. Außerdem habe ich seit kurzem einen kleinen Hund namens „Hank“ – auch er trägt zu diesem „Heimat-Gefühl“ bei. Da ich so viel auf Tour bin, ist meine Heimat gleichzeitig an vielen unterschiedlichen Orten. Wann immer ich in eine neue Stadt komme, versuche ich in den Alltag dort einzutauchen. Ich sitze gern im Café und schaue den Leuten zu. Wo sie hingehen und was sie tun, interessiert mich. In Karlsruhe werde ich leider nicht allzu viel Zeit dafür haben, aber ich freue mich sehr darauf, dort zu sein. Es ist nicht mein erster Besuch, ich habe schon im Tollhaus gespielt.

Elisa Reznicek: Können Sie sich noch an Ihren letzten Aufenthalt in Karlsruhe erinnern?

Curtis Stigers: Da ich so viel unterwegs bin, ist es etwas schwierig, bestimmte Dinge mit bestimmten Orten in Verbindung zu bringen. Alles verschwimmt irgendwie. Man fragt sich dann: ‚War dieses eine tolle Café eigentlich in Hamburg oder in Wiesbaden?‘. [lacht] Aber ich bin mir sicher, dass all die guten Erinnerungen wiederkommen, sobald ich dort bin. Das ist eigentlich immer so. Vielleicht sollte ich mir auch einfach mal etwas aufschreiben? Auf Tour ist es so schwer, den Überblick zu behalten. Das könnte helfen.

Curtis Stigers spielt gemeinsam mit der SWR Big Band live vor dem Schloss Karlsruhe, 6.5.2017, 20 Uhr – ich werde Fotos und eine Konzert-Review mitbringen. 🙂

Mein Interview mit Curtis Stigers in den Badischen Neuesten Nachrichten, Karlsruhe

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Interview Curtis Stigers - Elisa Reznicek, BNN


Aufmacherfoto: SWR Big Band/PR
Interview und Text: Elisa Reznicek, lebelieberlauter.de

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