„Reconnecting thoughts and actions“ – Anders Petersen Retrospektive im Stadtmuseum München

AndersPetersenRetrospektive-StadtmuseumMuenchen_sEin Foto. Ein Blick. Durchdringend. Ungeschönt. Echt. Die Stärke des Anders Petersen. Der 1944 in Stockholm geborene Fotograf stellt in seinen Schwarz-Weiß-Bildern und Foto-Essays hauptsächlich gesellschaftliche Außenseiter in den Mittelpunkt.

Er holt sie mit seinen Werken ein Stück näher an den Betrachter, ohne eine wirkliche Innensicht zu gewähren. Diese bleibt eine Vermutung, eine Reflexion des eigenen Ichs im Kontext des Gesehenen. Trotz allem. „Ich suche eine Beziehung zu den Menschen, die ich fotografiere. Und das hat viel zu tun mit dem Verlangen, den Träumen, den Geheimnissen. Vielleicht auch mit unseren Alpträumen und Ängsten“, so Anders Petersen 2013 in einem Gespräch mit Christian Caujolle.

Milieustudien zwischen überschäumender Emotion und seelischen Abgründen

Es sind Milieustudien zwischen überschäumender Emotion und seelischen Abgründen, Einsamkeit, Melancholie und ja, trotzdem auch Momenten der Unbeschwertheit und Lebensfreude, die mit ihrer Tiefe – bildlich und im übertragenen Sinn – fesseln. Sie sind nicht immer leicht anzuschauen und auszuhalten. Das Leben ist nun einmal kein Ponyhof und die Wirklichkeit kein Hollywoodfilm (und wenn doch, dann hätte in Petersens Fall vielleicht am ehesten David Lynch Regie geführt). Die Fotos sind in Animierlokalen, Gefängnissen, psychiatrischen Anstalten oder Pflegeheimen entstanden. Sie zeigen viel und erklären nichts. „[Meine Arbeit] gibt keine Antworten, wirft aber viele Fragen auf“, betonte der Schwede folglich einmal. „Und je mehr Fragen und Sehnsüchte ich in einem Ausschnitt finden kann, desto besser.“

Anders Petersen Retrospektive im Stadtmuseum München

Das Stadtmuseum München widmet Anders Petersen, der zu den international einflussreichsten Fotografen seiner Generation gehört, noch bis zum 28. Juni 2015 eine sehenswerte Retrospektive. Gezeigt werden frühe Aufnahmen, die Ende der 1960er Jahre im Café Lehmitz, einer Kneipe an der Hamburger Reeperbahn, entstanden sind und Petersen berühmt machten, aber auch viele aktuellere Serien wie „Mental Hospital“ (1993-95), „From back home“ (2009) und „Soho“ (2011).

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Bibliothèque nationale de France, dem Fotografiska Museet in Stockholm und der Galerie Vu‘ in Paris realisiert. Neben den Bildern, die eine künstlerische Verbundenheit mit Ed van der Elsken, Daido Moriyama und Antoine d’Agata vermuten lassen, wird der knapp einstündige Dokumentarfilm „A Film about with Anders Petersen“ gezeigt (nur leider nicht bei meinem Ausstellungsbesuch am Eröffnungswochenende Ende März). Außerdem sind rund 30 Bücher mit den Werken Anders Petersens zu sehen.

Einige Pressebilder wurden mir für die folgende Foto-Galerie freundlicherweise zur Verfügung gestellt; alle Fotos: © Anders Petersen / Courtesy Galerie VU‘

Anders Petersen – Retrospektive
27. März – 28. Juni 2015

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag 10.00-18.00 Uhr
Montags geschlossen

>> Webseite von Anders Petersen
>> Homepage des Stadtmuseums München
>> Buchtipp: Werkschau mit rund 250 Fotos aus allen Schaffensperioden, von Gröna Lund über Cafe Lehmitz bis The City Diaries.

Hier kommt der namensgebende Titel zum Artikel
Neil Young – „Distant Camera“


Text: Elisa Reznicek, lebelieberlauter.de 2015
Alle Fotos: © Anders Petersen / Courtesy Galerie VU‘
Aufmacher-Foto: Plakate Stadtmuseum München, fotografiert von Elisa Reznicek


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