Violinistin Sophia Jaffé im Interview: Klassische Musik kann tief berühren

Kurz vor Weihnachten konnte ich mit der deutschen Violinistin Sophia Jaffé ein Interview führen und mit ihr über ihre musikalische Antriebsfeder generell und Max Bruchs Schottische Fantasie im Speziellen sprechen. Mein Artikel ist dann Anfang Januar in den Badischen Neuesten Nachrichten Karlsruhe erschienen. 

Jaffé tritt am 27. Januar 2018 bei den Karlsruher Meisterkonzerten auf, die ein „Best of Scotland“-Programm präsentieren. Es spielt das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter Dirigent Garry Walker (übrigens selbst ein Schotte). Da ich für den Print Interviews immer deutlich einkürzen muss, gibt’s hier jetzt die „extended version“ unseres Austauschs über klassische Musik, ihre musikalische Prägung (u. a. durch ihr Elternhaus) und den Auftritt im Konzerthaus Karlsruhe.

Elisa Reznicek: Sie haben ein sehr breit gefächertes Repertoire vom Barock bis zu zeitgenössischen Uraufführungen. Was macht den Reiz aus?

Sophia Jaffé: Sich mit Werken vieler Epochen weiterentwickeln zu können, ist ausgesprochen erfüllend, denn man kann zu immer neuen Sichtweisen kommen. Die Herangehensweise ist einerseits ähnlich – man versucht die Sprache jedes Komponisten und jeden Werkes an auffallenden Eigenheiten herauszuarbeiten und auch innerlich zu erfassen. Andererseits erfordert die Art und Weise, ob ein Stück barock, klassisch, romantisch oder zeitgenössisch komponiert ist, unterschiedliche interpretatorische Betrachtungsweisen. Diese hängen schon auch mit ihrer Entstehungszeit zusammen. In einer Solo-Sonate von Bach, einem Werk von Schumann oder einem Tschaikowsky-Violinkonzert kommt es auf ganz andere Aspekte an. Der Umgang mit der Klanggebung verändert sich sehr.

Elisa Reznicek: Sie treten in Karlsruhe im Rahmen eines „Best Of Scotland“-Programms auf. Haben Sie eine Beziehung zum Land und der Musik, die eventuell mitklingt?

Sophia Jaffé: Ich mag Dudelsackmusik sehr und bewundere das Fiddeln in der heutigen schottischen Volksmusik. Aber in Schottland bin ich noch nicht gewesen.


Elisa Reznicek: Bei den Karlsruher Meisterkonzerten spielen Sie Bruchs Schottische Fantasie für Violine und Orchester Es-Dur op. 46. Was ist für Sie das Besondere an diesem Werk?

Sophia Jaffé: Das Stück ist dramaturgisch ganz wunderbar aufgebaut und hält einige für Violinkonzerte unübliche Besonderheiten sowie vor allem im 3. Satz ausgesprochen innige Momente vor allem bereit. Auf schottischen Volkslieder basierend, spielt neben der Sologeige auch die Harfe eine zentrale Rolle. Sie müssen wissen, dass in Schottland seit jeher Erzählungen und Balladen oftmals von einer Harfe musikalisch untermalt werden. Durch die Art, wie sie mit der Geige in vielen Stellen zusammen hervortritt, ergibt sich ein fast liedhaftes Klangbild, eingebettet in ein großes Orchester. Die langsame gravitätische, geradezu trauermarschartige Einleitung des Werkes beginnt in verheißungsvollem es-Moll. Dann entspannt sich eine herrliche Reihung melodiös schwingender und lebhaft tänzerischer Sätze. Für mich als Solistin ist es neben dem Genuss, die Melodien klanglich auszukosten, auch im virtuosen Sinne durchaus anspruchsvoll und in jeder Hinsicht ein fulminantes Erlebnis.

Elisa Reznicek: Haben Sie bereits mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie gearbeitet?

Sophia Jaffé: Die Konzerte mit der schottischen Fantasie werden die erste Zusammenarbeit für mich mit der Rheinischen Philharmonie sein. Ich freue mich schon sehr auf die erste Begegnung. Gerade mit dem Werk, welches zwar gelegentlich gespielt wird, aber doch nicht so viel wie andere Stücke, kann man sich noch unbefangener aufeinander einlassen.

Elisa Reznicek: Waren Sie schon in Karlsruhe? Worauf freuen Sie sich am meisten?

Sophia Jaffé: Ich freue mich sehr auf den Saal und das Karlsruher Publikum. Bisher war ich nur einmal kurz an der Musikhochschule zu Kammermusikproben für ein Konzert in einer anderen Stadt. Es wird mir umso mehr eine Freude sein, im Konzerthaus zu spielen.

Elisa Reznicek: Was ist Ihre musikalische Antriebsfeder?

Sophia Jaffé: Klassische Musik kann Menschen sehr tief berühren. Das man „berührbar“ ist und bleibt, erscheint mir ein wesentlicher Aspekt für die innere Lebendigkeit im Leben. Es ist mir eine große Freude, wenn es gelingt, diese tiefere Erlebensschicht durch das Musizieren erfahrbar zu machen und diese sehr beglückenden Momente mit anderen Menschen zu teilen.

Elisa Reznicek: Welche Highlights stehen 2018 für Sie an?

Sophia Jaffé: Nach einigen Monaten mit vermehrt solistischen Auftritten mit Orchester freue mich erst einmal auf einige kammermusikalische Projekte im Frühjahr. Alle Termine finden Sie auf meiner Homepage.

Elisa Reznicek: Sie stammen aus einer Musikerfamilie und traten mit sieben Jahren erstmals öffentlich auf. Inwiefern hat Sie Ihr Elternhaus musikalisch geprägt? Ihre Eltern haben Sie ja auch unterrichtet …

Sophia Jaffé: Ich habe einerseits ungemein profitiert von dem Umstand, in einem Geigerhaushalt aufgewachsen zu sein. Es gab auch Zeiten für beide Seiten, in denen es eine echte Herausforderung war, mich durch alle Lebensphasen wie zum Beispiel die Pubertät am Instrument „zu halten“. Als ich dann mit 18 Jahren das Studium an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin begann, durfte und musste ich natürlich auch erst einmal meinen ganz eigenen Weg zur Musik finden, unabhängig von möglichen Wünschen und Vorstellungen meiner Eltern.

Termin:
Karlsruher Meisterkonzerte „Best of Scotland
SA, 27.1.18, 19:30 Uhr, Konzerthaus
Infos und Tickets unter www.karlsruhe-klassik.de

Programm & Besetzung:
Malcolm Arnold Four Scottish Dances op. 59
Max Bruch Schottische Fantasie für Violine und Orchester Es-Dur op. 46
Claude Debussy Marche écossaise sur un thème populaire
Felix Mendelssohn Bartholdy 3. Sinfonie a-Moll op. 56 „Schottische“

Sophia Jaffé, Violine
Garry Walker, Dirigent
Staatsorchester Rheinische Philharmonie


Fotocredit: Martin Suchánek / PR
VIdeo: argovia philharmonic, abgerufen am 15.1.2018

Mein Interview mit Geigerin Sophie Jaffé ist in den Badischen Neuesten Nachrichten Karlsruhe, am 3.1.2018, erschienen

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