Im Flow mit Thomas Siffling: Jazz-Trompeter über neues Album und Auftritt bei Das Fest

Thomas Siffling by Laura Carbone

Wer Thomas Siffling kennt, weiß: Der Trompeter ist eigentlich immer im Flow, während er gut gelaunt auf den verschiedensten Hochzeiten tanzt. Als Jazzer, Label-Chef, Kurator und Veranstalter geht er ganz im Moment auf und gibt hochkonzentriert alles – ohne dabei seine Lockerheit zu verlieren. Seine neue Platte entsprechend dieses „Flow“-Gefühls zu benennen, ist nur folgerichtig.

In der Psychologie beschreibt das Wort „Flow“ im besten Sinn einen „Tätigkeitsrausch“, der mit dem Zustand der völligen Vertiefung und des restlosen Aufgehens im Hier und Jetzt einhergeht. Die Zeit spielt plötzlich keine Rolle mehr – alles ist im Fluss. Etwas, dass man auf Thomas Sifflings Album „Flow“ wahrnimmt und, noch wichtiger, gleichzeitig selbst beim Hören erlebt!

Thomas Siffling ist im „Flow“

Für seine aktuelle CD hat Thomas Siffling nach vielen erfolgreichen Jahren mit seinem eingespielten Trio eine neue, größere Besetzung (u. a. mit Gitarre und Keys) zusammengestellt – auch, um dem Ganzen frische kreative Impulse zu geben. Er ist an Trompete und Flügelhorn präsent, aber nicht mehr allein die tragende Stütze. Das trägt noch einmal deutlich zum relaxten Klangcharakter bei und hilft zudem auf der Bühne etwas den „Alleinunterhalter-Druck“ rauszunehmen, wie er mir gegenüber in einem Gespräch lachend einräumt.

Moderner Crossover-Jazz-Sound mit elektronischen Beats

Seinen modernen Crossover-Stil, der sich mehr an Pop und Electro als an „puristischem“ Standard-Jazz orientiert, beschreibt der Mannheimer Trompeter so: „Wir machen nachvollziehbare, zeitgemäße Musik mit fetten Sounds und entspannten Melodien – eine Mischung aus norwegischen Sphären eines Nils Petter Molvær, den Grooves von Medeski Martin & Wood und einem Electric Miles Davis. Perfekt zum Chillen, Mitwippen und Abtanzen!“ Mich persönlich erinnert das an manche Platten von Wolfgang Haffner, der phasenweise sehr elektronisch unterwegs war (u. a. auf „Zooming“, die eine meiner Lieblings-Cds ist).

Konzert: Thomas Siffling bei Das FEST am 23.7.2017

Bei Das FEST in Karlsruhe, einem der größten Festivals in Deutschland mit bis zu 250.000 Besuchern (21.-23.7.2017), wird Thomas Siffling am kommenden Sonntag um 15 Uhr auf der Hauptbühne auftreten. Hier war er bereits 2007 mit seinem Trio zu hören. Es ist ein Heimspiel, das es in sich hat! „Karlsruhe ist und bleibt meine Geburtsstadt. Daher ist es etwas ganz Besonderes hier und dann auch noch auf dem FEST zu spielen“, erzählt er mir. „Das FEST ist fester Bestandteil meiner Jugend und meiner ersten musikalischen Schritte. Ich kann mich zum Beispiel noch an die Konzerte von der Dorfcombo, Pink Cream 69, Chaka Khan und Nils Petter Molvær, einer wichtigen Inspirationsquelle für mich, erinnern. Long time ago! Ich freue mich riesig, nun mit meinem neuen Projekt aufs FEST zurückzukehren und außerdem viele alte Bekannte zu treffen!“


Jazz muss wieder verständlicher werden, sagt Siffling

Darin, dass Jazz bei dem Festival auf viele Leute trifft, die sonst wenig bis gar nicht mit dieser musikalischen Spielart in Kontakt kommen, sieht Thomas Siffling kein Problem. Ganz im Gegenteil! „Ich denke, es tut dem Jazz sehr gut sich auf solchen Veranstaltungen zu präsentieren. Zumal wir meines Erachtens nach als Jazzer wieder mehr ans Publikum denken müssen – das heißt, wir müssen Musik machen, die verständlich ist und die Schwelle für den Zuhörer wieder etwas niedriger ansetzt. Natürlich ohne dadurch banal zu werden.“

Ich bin mir sicher, dass es Thomas Siffling bei seinem FEST-Auftritt in Karlsruhe (Sonntag, den 23.7.2017) gelingen wird und freue mich auf viel tolle Musik – inklusive „Mount Klotz im Flow“!


Text: Elisa Reznicek, lebelieberlauter.de
Aufmacher-Foto: Laura Carbone

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