Klartext: Aziza Sadikova Cellokonzert (UA) – Stadthalle Heidelberg, 18.1.17 – Effekte nur um der Effekte willen

Wer mich kennt, weiß dass ich nicht gern um den heißen Brei herumrede. Wenn etwas toll ist und mich umhaut, wird man es in meinen Kritiken lesen. Wenn das Gegenteil eintritt, allerdings auch.

Aziza Sadikovas Cellokonzert, das am 18. Januar 2017 in der Stadthalle mit Solist Julian Steckel und dem Philharmonischen Orchester Heidelberg unter Elias Grandy uraufgeführt wurde, hat mich leider gar nicht abgeholt. Dabei mag ich Neue Musik. Sehr sogar! Manchmal, wie bei Anno Schreiers Cellokonzert „On A Long Strand“, das Ende 2015 in Karlsruhe Premiere hatte, entflamme ich sogar regelrecht. Hier nicht. Irgendwie will alles nicht so richtig passen.

Uraufführung von Aziza Sadikovas Cellokonzert in Heidelberg

Mit viel gutem Willen könnte man sagen, dass in dem Auftragswerk des Theaters und Orchesters Heidelberg mutig das Spektrum instrumentalen Ausdrucks ausgelotet wird. Dass Kontrasträume erschaffen und Reibungsflächen hineingestellt werden. Dass mit der Dynamik buchstäblich gespielt wird.

Das Ziel: Die Schönheit des Instruments betonen, mit Kontrasten spielen

Die Komponistin Aziza Sadikova wird im Programmtext wie folgt zitiert:  „In meinem Cellokonzert wollte ich die Möglichkeiten des schönen Instruments Violoncello aufzeigen … Das Violoncello ist ein Instrument, das tiefste Gefühle auszudrücken vermag. Der Klang kann dünn sein wie Stimmfäden, die wie ein Echo widerhallen, oder warm und samten den Raum umschließen.“ Ich frage mich bereits nach den ersten Tönen: Warum hört man es nicht? Und offensichtlich geht es mir nicht allein so: Wenn ich mich im Saal umblicke, sehe ich viele irritierte Gesichter.

Das Ergebnis: mehr ist mehr – doch der Solist geht unter

Das Orchester: stürmt und poltert los, als gäbe es kein Morgen. Der Solist: geht unter. Die Schönheit des Instruments? Es dauert lange, bis sie in filigraneren Motiven kurz aufflackern darf. Und immer sind es nur Momentaufnahmen. Auf Nachfrage erfahre ich von Julian Steckel, dass es durchaus im Gespräch gewesen sei, das Instrument elektronisch zu verstärken. Aber „wir haben uns dagegen entschieden. Ich soll wohl in diesen Passagen einfach Teil des Tutti sein.“ Na dann.

Effekte um der Effekte willen

Das Spiel mit hell und dunkel zieht sich durch das gesamte Werk. Wenn es sphärisch wird, lässt Sadikova den Cellisten schon einmal gefühlte drei Stunden auf einem Ton vibrieren. Bei dramatischer Bekräftigung gilt hingegen das Motto „mehr ist mehr“. Augen zu, Gas geben. Heavy Metal auf dem Cello. Das alles kann Julian Steckel sehr gut, keine Frage. So süß, so elegisch, so hart, so schwer, so dramatisch. Ich mag seinen Ton. Nur eben in anderen Konzerten mehr, wie in Schostakowitschs 1. Cellokonzert, das ich im Dezember 2016 in Mannheim live gesehen habe und Anfang Februar in Pforzheim noch einmal mit ihm und anderer Orchesterbesetzung erleben werde.

Wie bei Friedrich Guldas Konzert für Violoncello und Blasorchester stört mich vor allem die Schablonenhaftigkeit des Ganzes. Die vielfältigen Effekte, die nur um der Effekte willen aufgefahren werden. Das Zerstückelte, durch das das Orchester und der Solist in den einzelnen Passagen nicht zusammenfinden können. Nein, damit wird niemandem ein Gefallen getan. Dünner Applaus und etliche leere Sitzplätze nach der Pause, die sich an die Uraufführung anschließt, sprechen eine deutliche Sprache. Schade.


Text: Elisa Reznicek, lebelieberlauter.de
Aufmacher-Foto: © furtseff – Fotolia.com
Foto Julian Steckel: © Giorgia Bertazzi – PR

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