Sting live in Wiesbaden, 31.7.2016 – Sänger begeistert auf dem Bowling Green vor dem Kurhaus (Konzert-Kritik)

Archivbild: Sting, live in Mannheim 2008 -> der Bart ist mittlerweile ab, ansonsten ist Herr Sumner knackig wie eh und je (Foto: Elisa Reznicek)

Archivbild: Sting, live in Mannheim 2008 -> der Bart ist mittlerweile ab, ansonsten ist Herr Sumner knackig wie eh und je (Foto: Elisa Reznicek)

Nur zwei Konzerte sind es, die Sting in diesem Sommer in Deutschland gibt – das familiärere davon Open Air in Wiesbaden. Hier sind es „nur“ 14.500 Fans auf dem ausverkauften Bowling Green vor dem Kurhaus, die dem ehemaligen Frontman von The Police zujubeln und gefühlt ganz nah kommen (in die Waldbühne Berlin finden sich einen Tag später bereits 20.000 Leute ein).

Überhaupt: „familiär“ scheint wohl das Stichwort des Abends zu sein. Support ist Joe Sumner, der Sohn aus Stings erster Ehe mit Frances Tomelty, der aussieht wie eine Mischung aus seinem Papa und Woody Harrelson in jung – und mit seiner akustischen Sommermusik klingt wie ein Mash-up aus John Mayer, John Butler und Xaver Rudd. Den eigenen Signature-Sound scheint Joe Sumner von Fiction Plane hingegen noch nicht ganz gefunden zu haben (aber zumindest haben alle auf und abseits der Bühne Spaß).

Mit „Every Breath You Take“ startet Sting in sein Konzert

Selfie: Elisa geht zu Sting & freut sich riesig!

Selfie: Elisa geht zu Sting & freut sich riesig!

Als Sting pünktlich um 20 Uhr dann mit „Every Breath You Take“ sein Set eröffnet, ist seine musikalische Familie ebenfalls am Start. Neben Sohn Joe, der hin und wieder Backing-Vocals beisteuert, stehen auch etliche gute alte Bekannten auf der Bühne. Dazu zählen unter anderem der langjährige Gitarrist Dominic Miller, Vincent „Vinnie“ Colaiuta an den Drums und David Sancious am Keyboard. Man versteht sich blind, wodurch das hervorragende Timing und die Phrasierung der weitgehend nah am Original arrangierten Hits noch einmal begünstigt werden.

Die Besetzung ist im Gegensatz zur gemeinsamen Tour mit Paul Simon im Vorjahr zudem stark reduziert, was das Ganze weitaus realer, authentischer und zugänglicher wirken lässt. Stichwort: Reduktion aufs Wesentliche.

Sting live in Wiesbaden: Hits, Hits, Hits

Durchtrainiert bis in die Haarspitzen und stimmlich wie musikalisch in Höchstform, präsentiert Sting gemeinsam mit seiner Band einen Querschnitt aus mehreren Jahrzehnten Musikgeschichte – angefangen mit „Next To You“, dem Opener des Police-Debüts „Outlandos d’Amour“ (1978), über das immer wieder gern gehörte „Fragile“ (1987) als Zugabe, bis hin zu „neueren“ Songs wie „The Hounds Of Winter“ (1996), „Desert Rose“ (1999) und „When We Dance“ (2001). Jeder einzelne Song wird dabei von den Konzertbesuchern gefeiert und lautstark mitgesungen; manch einer verdrückt sogar bei den ruhigeren Titeln ein Tränchen oder zwei. Ja, diese Musik weckt Erinnerungen und ist, wie man selbst, über die Jahre gereift. Schön, dass man sie wieder einmal live hören darf.

Kleine Randbemerkung mit Blick auf die Jahreszahlen: Das letzte richtige Rock-/Pop-Album von Sting, „Sacred Love“, ist nun auch schon 13 Jahre alt und lässt umso sehnsüchtiger auf die kommende Sting-CD „57th & 9th“ (VÖ im November 2016) warten.

Mit viel Biss und Energie: Sting hat’s auch mit 64 Jahren noch drauf

Zu meckern gibt es, kaum überraschend, nichts. Vollprofi Sting, der erst vor kurzem seine US-Tour mit Peter Gabriel beendet hat, weiß genau, was er tut und wie er seinen Fans ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Im besten Wortsinn grundsolide, aber auch mit viel Biss und Energie lässt es der Engländer knapp zwei Stunden lang krachen.

Zu den stärksten Momenten seines Konzerts in Wiesbaden zählen einerseits die ruhigen, gefühligen Nummern wie „When We Dance“ und „Shape Of My Heart“, aber auch die zeitlosen Police-Songs wie „So Lonely“ und „When The World Is Running Down“ (wahnsinns Bass- und Keyboard-Solo), die derart druckvoll und auf den Punkt rausgehauen werden, dass man ihnen die vielen vielen Jahre auf dem Buckel wahrlich nicht anhört. Dass Sting, quasi als Sahnehäubchen, die Ansagen auch noch komplett auf Deutsch bestreitet, sei nur am Rande erwähnt.

Daumen hoch und Hut ab. Dieses Konzert hat wirklich Spaß gemacht!

Setlist Sting live in Wiesbaden, 31.7.2016

  1. Every Breath You Take
  2. If I Ever Loose My Faith
  3. Mad About You
  4. Driven To Tears
  5. Shock The Monkey (Peter-Gabriel-Cover)
  6. Invisable Sun
  7. kurzes Genesis-Cover vom Album „Selling England by the Pound“ als Überleitung (Titel ist mir leider nicht bekannt)
  8. Message In A Bottle
  9. Fields Of Gold (bereits die ersten Töne sorgen für einen kollektiven Stoßseufzer im Publikum)
  10. The Hounds Of Winter
  11. So Lonely
  12. When The World Is Running Down
  13. Something The Boy Said
  14. When We Dance
  15. Shape Of My Heart
  16. Englishman In New York
  17. Every Little Thing She Does Is Magic
  18. Roxanne / Ain’t No Sunshine (Bill Withers)
  19. Desert Rose (Zugabe 1)
  20. Next To You (Zugabe 2)
  21. Fragile (Zugabe 3)

Text & Fotos: Elisa Reznicek, lebelieberlauter.de

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