„Every little thing they do is magic“ – Sting und Paul Simon live – Olympiahalle München, 28.3.2015

Paul Simon + Sting PR Mark Seliger
1980. The Police singen „When the world is running down“ – natürlich nicht ohne ein lakonisches „you make the best of what’s still around“ nachzuschieben.

2015. Auch 35 Jahre später macht man(n) das Beste aus der Situation, obwohl das Jahr mit dem Attentat auf Charlie Hebdo, dem Germanwings-Flugzeugabsturz, diversen Kriegen, Unruheherden und Finanzkrisen alles andere als rosig begonnen hat. Für Sting und Paul Simon bedeutet dieses „Weitermachen“ die Fortsetzung ihrer Megaseller-Tour – zwei musikalische Schwergewichte, „on stage together“, wie das Ganze pragmatischer nicht hätte betitelt sein können.

Sie führt allerorts in ausverkaufte, riesige Hallen und entlockt den Fans zahlreiche Euro und Dollar. Aber sie sorgt auch für denkwürdige musikalische Momente, die in dieser Form wohl nie wiederkommen werden. Und so bringt der Abend in der Olympiahalle München noch eine Erkenntnis mit. Paul Simon singt in „Cool, cool river“: „Sometimes even music cannot substitute for tears“ . Doch spätestens nach dem Konzert weiß man um die Kraft der Musik: Die richtige trocknet sogar Tränen und hilft dem Herz zu heilen.

Sting & Paul Simon „on stage together“: 3 Stunden Hits, Hits, Hits

Nach der obligatorischen Begrüßung in gebrochenem Deutsch (Stings „Guten Abend, meine Damen und Herren“ sorgt aus dem Stand für viel Hurra) und einem Lob an die vorbildlich klare Akustik in der Halle (Paul Simon: „Sie müssen wissen, dass die Akustik für uns Musiker sehr wichtig ist. Das wird eine tolle Nacht, da werden Sie mir am Ende sicher zustimmen.“) wird nicht mehr rumgequatscht. Schließlich stehen 3 Stunden Hits, Hits, Hits auf dem Programm – darunter „50 Ways To Leave Your Lover“, „Cecilia“ und „You Can Call Me Al“ (Paul Simon/Simon & Garfunkel) oder auch „Desert Rose“, „Message In A Bottle“ und „Englishman In New York“ (Sting/The Police).

Archiv-Bild: Sting live in Mannheim, 2008 - er sieht heute quasi immer noch so aus, inkl. Bart (Foto von Elisa Reznicek)

Archiv-Bild: Sting live in Mannheim, 2008 – er sieht heute fast immer noch so aus, nur noch bärtiger (Foto von Elisa Reznicek)

Musikalisches Tagebuch eines ganzen Lebens

Die persönliche Note in diesen  riesigen Hitapparat bringen weniger die sehr routiniert agierenden Künstler ein. Es sind vielmehr die unzähligen Erinnerungen, die mit ihren Kompositionen verbunden sind, die im Publikum für strahlende Gesichter sorgen. Einige erweckt gleich zu Beginn Stings Ballade „Fields of Gold“ zum Leben, die durch Paul Simons leicht entrückte Co-Interpretation noch einen Tick elegischer und zarter wird. Angesichts der Hallen- und auch Bandgröße (bis zu 15 Leute sind auf der Bühne gleichzeitig am Werkeln) ist das schon eine Leistung.

Mal zusammen, mal allein: Sting und Paul Simon live in München

Vorfreude aufs Konzert

Vorfreude aufs Konzert

Überhaupt ergänzen sich beide Altmeister bestens und schenken Titeln wie „Fragile“, „The Boxer“ und „Bridge over troubled water“ im Zusammenklang eine besondere Note. Spannend ist zudem alles, was zumindest mit etwas mehr Ecken und Kanten sanft neu interpretiert wird. Das hintenraus kurz in Dub-Grooves abgleitende „Roxanne“ (kombiniert mit Bill Withers‘ „Ain’t No Sunshine“) oder das mit einem Tuba-Solo aufgerüschte „So lonely“ (beide von The Police) zum Beispiel. Die stilistische Umdekorierung wird gerade so weit umgesetzt, dass die Gefälligkeit der Show nicht gefährdet wird. Ja, manches klingt anders. Nein, das Mitsingen und -klatschen durchs Publikum ist keine Sekunde lang gefährdet.

Tolle Leistung mit kleinen Abstrichen in der B-Note

Hier liegt auch die Crux des Abends. Wo Massen auf eine derart perfekt durchchoreografierte Sause in einer riesigen bestuhlten Halle treffen, verblasst manch‘ zauberhafte Jahrhundertnummer zwangsläufig zu plumper Publikumsanimation. So versinkt das verlangsamte „Mrs. Robinson“ ebenso in der Beliebigkeit der Mitschunkelei wie es der Titel „Every Breath You Take“ tut, der eigentlich rasende Eifersucht und Kontrollzwang  zwischen zwei (Ex-)Partnern thematisiert. Sei’s drum. Das Fazit bleibt trotzdem eine Anlehnung an eine Police-Nummer: „Every little thing they do is magic“ – Sting und Paul Simon live zu erleben hat schon etwas Magisches.

Hier kommt der namensgebende Titel zum Artikel
The Police – „Every little thing she does is magic“


Text & Fotos (außer Aufmacher-Bild): Elisa Reznicek, lebelieberlauter.de 2015
Aufmacher-Foto: Mark Seliger / PR über Semmel Concerts

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